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Null Emissionen, volle Reichweite? Was Bio-LNG leisten kann

Lars Mårtensson
2025-03-27
Alternative Kraftstoffe

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Lars Mårtensson
Environment and Innovation Director at Volvo Trucks

Die Transportbranche beginnt langsam, das Potenzial von Bio-LNG als vielversprechende Alternative zu Diesel zu erkennen. Aber wie nachhaltig ist Bio-LNG und wie zukunftsfähig wird es sein?

Als Kraftstoff, der aus organischen Abfällen hergestellt wird und praktisch null CO2-Emissionen verursacht, ist leicht zu erkennen, warum Bio-LNG (auch bekannt als verflüssigtes Biogas) so vielversprechend erscheint. Und das ist noch nicht einmal der gesamte Umfang seiner positiven Auswirkungen auf die Umwelt.

 

Warum Bio-LNG die Kreislaufwirtschaft fördert

Der Prozess zur Herstellung von Biogas ist relativ einfach. In einer Biogasanlage werden verschiedene Ausgangsstoffe in eine warme, sauerstofffreie Umgebung gegeben und von Bakterien zersetzt. Durch diesen Fermentationsprozess werden komplexe Moleküle der organischen Substanz in einfachere Moleküle wie Alkohol, CO2 oder Methan - ein erneuerbares Gas - zerlegt, das zur Erzeugung von Wärme und Strom genutzt werden kann.

Da Bio-LNG aus Ausgangsstoffen wie ungenießbaren Teilen von Getreide, Abwasser und Haushaltsabfällen hergestellt wird, trägt es zur Kreislaufwirtschaft bei, indem Ressourcen wiederverwendet werden, die sonst verloren gingen. Das bedeutet auch, dass Bio-LNG nicht mit der Lebensmittelversorgung konkurriert - ein Kritikpunkt, der Biokraftstoffen häufig entgegengebracht wird.

Folglich wird das, was Landwirte, Supermärkte und Kommunen früher als „Abfall“ betrachteten, nun als wertvolle Ressource gesehen. Dies erhöht die Verfügbarkeit der Materialien, die zur Biogasproduktion benötigt werden. Beispielsweise nutzt der Molkereiproduzent Arla derzeit den von seinen Höfen gesammelten Mist zur Biogasproduktion, das anschließend zur Energieversorgung seiner wachsenden Flotte von gasbetriebenen Lkw verwendet wird. Der verbleibende Gärrest wird auf den eigenen Feldern als Dünger wiederverwendet, wodurch ein geschlossenes Kreislaufsystem entsteht.

 

Wie Bio-LNG negative Emissionen erzeugen kann

Durch den Umstieg von Diesel auf Bio-LNG können Lkw-Betreiber ihre CO2-Emissionen auf nahezu null reduzieren. Abhängig davon, wie das Bio-LNG hergestellt wird, könnten sogar Emissionsreduktionen über null hinaus erreicht werden - also faktisch negative Emissionen.

Wenn Bio-LNG beispielsweise aus Mist produziert wird, kann der Umstieg von Diesel zu netto-negativen CO2-Emissionen von bis zu 200 % führen. Dies liegt daran, dass nicht nur die Kohlenstofffreisetzung durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe vermieden wird, sondern auch die Freisetzung von Methan in die Atmosphäre verhindert wird, die normalerweise bei Lagerung und Verarbeitung von Mist entstehen würde.

Unter diesen Bedingungen könnten die Nettoemissionen eines gasbetriebenen Lkw die Emissionen von zwei Diesellkw neutralisieren.

 

Was Bio-LNG bisher bremst

Trotz seiner grünen Eigenschaften hat Bio-LNG bislang nur schwer Fuß in der Lkw-Branche fassen können, unter anderem wegen hoher Produktionskosten. Obwohl Biogas aus Abfällen hergestellt wird und relativ einfach produziert werden kann, sind die Kosten dafür immer noch höher als die Herstellung von Diesel.

Dies liegt vor allem an Faktoren wie Skaleneffekten und Vertriebskosten. Die Biogasproduktion wurde traditionell von Kommunen auf lokaler Ebene betrieben. Es fehlte an Skalierung und Anreizen für echte Effizienz, da der Hauptzweck meist die Abfallbehandlung war.

Das ändert sich jedoch schnell. Durch eine Mischung aus staatlichen Anreizen und privaten Investitionen steigt die weltweite Produktion rasant. Die EU plant im Rahmen ihres REPowerEU-Plans, die Produktion von Biomethan bis 2030 auf 35 Milliarden Kubikmeter zu erhöhen.

Auch zahlreiche private Unternehmen bauen ihre Produktion von Bio-LNG aus, wie St1 Biokraft, das derzeit 12 Anlagen in Schweden und Norwegen betreibt und weitere baut. Titan errichtet derzeit die weltweit größte Bio-LNG-Anlage im Hafen von Amsterdam, die voraussichtlich 2025 in Betrieb gehen soll. Insgesamt werden bis 2027 in Europa 105 Bio-LNG-Anlagen in Betrieb sein, mit einer kombinierten Produktionskapazität von 13,1 TWh pro Jahr.

 

Bio-LNG oder Elektro?

Obwohl Elektrofahrzeuge in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, könnte Bio-LNG eine realistischere Alternative für den Fernverkehr sein. Es ist nicht nur möglich, große Mengen Bio-LNG zu transportieren und die notwendige Reichweite für Langstreckenfahrten sicherzustellen, sondern der Tankvorgang dauert nur wenige Minuten. Im Vergleich dazu ist die Elektrifizierung des Fernverkehrs aufgrund der aktuellen Batteriereichweiten, ihres Gewichts und der relativ langen Ladezeiten eine Herausforderung.

Der Umstieg auf gasbetriebene Fahrzeuge erfordert zudem kaum Kompromisse bei Fahrverhalten und Zuverlässigkeit. Die gasbetriebenen Fahrzeuge von Volvo Trucks beispielsweise fahren und leisten genauso wie die Dieselversionen in Bezug auf Reichweite, Nutzlast und Leistung.

 

Wird Ihr nächster Lkw mit Bio-LNG betrieben sein?

In einigen Regionen der Welt stellen unzureichende Tankinfrastruktur und begrenzte Biogasproduktion weiterhin Herausforderungen dar. In anderen Regionen sinken jedoch die Kosten, und die Tankinfrastruktur wächst.

Meiner Ansicht nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis Bio-LNG eine wichtige Alternative zu Diesel wird, da es alle notwendigen Voraussetzungen dafür mitbringt.