Göteborg bekommt seinen ersten elektrisch angetriebenen Lkw

Göteborg, die Heimat von Volvo Trucks, hegt hohe Nachhaltigkeitsambitionen. In diesem Jahr bekommt die Stadt ihren ersten vollelektrischen Lkw, was einen kleinen, aber wichtigen Schritt in Richtung der Elektrifizierung kommerzieller Transporte in der Stadt markiert. Doch was geschah hinter den Kulissen, um den ersten Elektro-Lkw auf die Straßen von Göteborg zu bringen?

Göteborg bei Sonnenuntergang.

„Im Frühjahr 2016 wurden wir von der Stadtverwaltungsabteilung für nachhaltiges Abfall- und Wassermanagement gebeten, die Möglichkeit zu untersuchen, ein ausschließlich elektrisch angetriebenes Entsorgungsfahrzeug zu entwickeln. Ziel war es, das Fahrzeug in einem Projekt einzusetzen und herauszufinden, wie intelligentere und nachhaltigere Transporte zu einem attraktiveren städtischen Umfeld beitragen können“, berichtet Jonas Odermalm, der bei Volvo Trucks für die Produktstrategie für den Volvo FL und Volvo FE zuständig ist. 

Dies war der Startschuss für eine intensive Zusammenarbeit zwischen der Stadt Göteborg, Volvo Trucks, dem Aufbauhersteller JOAB und dem Recyclingunternehmen Renova. In ihren Eigenschaften als Kunde, Fahrzeugentwickler, Aufbauhersteller und Betreiber arbeiteten alle vier Beteiligten eng zusammen.  

„Wir begannen, indem wir die Strecke, auf der das Elektro-Entsorgungsfahrzeug verkehren sollte, sowie die Konfiguration der aktuell auf dieser Strecke eingesetzten Fahrzeuge zu betrachteten. Wie weit fahren sie, welche Geschwindigkeiten erreichen sie, wie schwer sind sie beladen, wie viele Stationen fahren sie pro Schicht an, ist die Straße hügelig oder eben?“, erklärt Jonas Odermalm.

Indem eine Reihe unterschiedlicher Faktoren analysiert und zusammengetragen wurde, erhielt das Projekt Daten über die Anforderungsspezifikation, für die der Lkw konzipiert werden musste. Ein Wunsch-Fahrzeuggesamtgewicht von 19 Tonnen mit 5 Tonnen Nutzlast und einer täglichen Fahrstrecke von 60 bis 70 Kilometern, mit 128 Stationen zum Einsammeln von Abfall entlang der Route – dies waren die Parameter für die Berechnung des erwarteten Energieverbrauchs des Fahrzeugs. Da es sich um ein Entsorgungsfahrzeug handelte, musste auch der Energieverbrauch der Verdichtereinheit berücksichtigt werden.  

Sobald der Energiebedarf und die Verkehrsbedingungen kartografisch erfasst waren, nahm das Entwicklungsteam verschiedene Alternativen der Energieversorgung unter die Lupe. Das Mitführen einer großen Anzahl von Batterien würde eine große Reichweite ermöglichen, aber auch die Nutzlast des Fahrzeugs negativ beeinflussen. Weniger Batterien würden eine größere Nutzlast möglich machen, aber mehr Ladevorgänge des Fahrzeugs erfordern. 

„Bestand entlang der Strecke Bedarf an Schnellladungen, oder würde es ausreichen, die Batterien über Nacht aufzuladen? Wir studierten mehrere Alternativen, bevor wir die endgültige Entscheidung trafen“, erklärt Hayder Wokil, der Hauptverantwortliche für die Teilnahme von Volvo Trucks an dem Projekt. 

Die Lösung ist ein Fahrzeug mit drei Batterien und einer Energiespeicherkapazität von insgesamt 150 kWh, was für eine vollständige Schicht ohne zusätzliches Aufladen ausreicht. Und da Entsorgungsfahrzeuge ausschließlich tagsüber im Einsatz sind, wurde beschlossen, sie nachts über das Standard-Stromnetz aufzuladen.  

Im Frühsommer 2017 wurde dann das Entsorgungsfahrzeug auf einem Volvo FL-Fahrgestell gebaut. Der elektrische Antriebsstrang wurde eingebaut und Fahrgestell und Fahrerhaus an die neue Technologie angepasst. Nach sechs Monaten der Entwicklung und Optimierung wurde das Entsorgungsfahrzeug Anfang 2018 schließlich mit einem Aufbau versehen. Parallel zur Schulung von Fahrern und Mechanikern wird der Lkw nun noch eine Feinabstimmung und Zertifizierung durchlaufen, bevor er mit den Renova-Fahrern am Lenkrad den regulären Betrieb auf den Straßen von Göteborg aufnimmt. 

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