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Die überarbeitete Allgemeine Sicherheitsverordnung (GSR) der EU und ihre Auswirkungen auf Spediteure

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Ab 2022 werden ausgewählte Aktivsicherheitssysteme in Europa obligatorisch. Die neue Leiterin der Abteilung für Verkehrs- und Produktsicherheit bei Volvo Trucks, Anna Wrige Berling, bewertet die Auswirkungen auf die Transportbranche.
Anna Wrige Berling, Leiterin Verkehrs- und Produktsicherheit, Volvo Trucks
„Das wichtigste Sicherheitssystem ist nach wie vor der Fahrer“, betont Anna Wrige Berling, Leiterin Verkehrs- und Produktsicherheit, Volvo Trucks.

Was ist die überarbeitete Allgemeine Sicherheitsverordnung (GSR) der EU? 
„Als Ergebnis neuer Innovationen im Bereich der Fahrzeugsicherheit schlägt die Europäische Kommission eine Reihe von obligatorischen Unfallvermeidungssystemen für europäische Fahrzeuge vor, die in drei Schritten von 2022 bis 2028 eingeführt werden sollen, um sowohl die Insassen als auch besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer) zu schützen. Die EU hat jetzt eine vorläufige Einigung über die Vorschläge erzielt. Dazu gehören für alle Fahrzeuge Warnsignale bei Müdigkeit oder Ablenkung des Fahrers, intelligente Geschwindigkeitsunterstützung, Rückfahrsicherheit mit Kameras oder Sensoren und Datenrekordern. Letztendlich geht es darum, das langfristige Ziel der EU zu erreichen, bis 2050 auf europäischen Straßen die sogenannte "Vision Zero" Wirklichkeit werden zu lassen: Niemand sollte bei einem Verkehrsunfall sterben oder schwer verletzt werden. 

Was bedeutet das für Volvo Trucks und seine Kunden?
„Es wird sich in gewissem Umfang auf unsere Sicherheitsentwicklung auswirken, da einige dieser Systeme bereits vorhanden sind, andere aber entwickelt oder geringfügig an das angepasst werden müssen, was heute verfügbar ist. Die Straßenverkehrssicherheit steht derzeit ganz oben auf der politischen Tagesordnung, und neue Technologien ermöglichen immer ausgefeiltere Sicherheitssysteme für Lkw. Das Interesse an aktiven Sicherheitslösungen zum Schutz insbesondere von gefährdeten Verkehrsteilnehmern ist stark gestiegen. Dies ist definitiv auf die höheren Sicherheitsanforderungen in Städten zurückzuführen, wobei die Londoner DVS-Norm (Direct Vision Standard; bessere Sicht um das Fahrerhaus für den Fahrer mit Hilfe einer Reihe von Anpassungen) für schwere Lkw die Entwicklung anführt. Gleichzeitig glauben wir, dass das wichtigste Sicherheitssystem immer noch der Fahrer ist. Aktive Sicherheitssysteme, die den Fahrer unterstützen und die Folgen menschlicher Feher vermindern, sind unverzichtbar, aber das bedeutet nicht, dass gut ausgebildete Fahrer dadurch weniger wichtig werden. Ein gut ausgebildeter Fahrer ist immer noch der beste Weg, um nicht in kritische Situationen zu geraten.“

Wie sieht Volvo Trucks die überarbeitete GSR?
„Es ist gut, strengere Sicherheitsvorschriften zu haben, da dies die Branche standardisiert und sicherstellt, dass alle mindestens ein bestimmtes Basisniveau einhalten. Volvo Trucks ist auf dem Gebiet der aktiven Sicherheitssysteme stets Vorreiter gewesen, und wir waren auch an den Gesprächen im Vorfeld der überarbeiteten GSR beteiligt. Unsere Geschichte im Bereich der Verkehrssicherheit und die Tatsache, dass wir über eigene Forschungsergebnisse des Unfallforschungsteams von Volvo Trucks verfügen, verleihen uns in den Gesprächen großes Gewicht. Es ist wichtig, dass Vorschriften für neue Sicherheitsmerkmale, wenn sie eingeführt werden, auf realen Daten beruhen und dass der potenzielle unfallmindernde Effekt gründlich analysiert wird.“

Ist „Vision Zero“ ein realistisches Ziel?
„Bei Volvo Trucks betrachten wir Vision Zero als eine Geisteshaltung. Grundsätzlich sind alle Unfälle vermeidbar, und in dem Sinne ist es folglich möglich, aber es gibt viele Faktoren, die angegangen werden müssen, um sie alle in der Realität zu vermeiden – zum Beispiel die Straßeninfrastruktur, das Sicherheitsbewusstsein und die richtige Kombination von Sicherheitssystemen. Vision Zero stammt ursprünglich aus Schweden. Es wurde von der gesamten Volvo Group übernommen und hat sich schließlich auf der ganzen Welt verbreitet. Selbstverständlich stehen bei Volvo Trucks Todesfälle und schwere Verletzungen an erster Stelle – aber selbst minderschwere Vorfälle, an denen Lkw beteiligt sind, können erhebliche Auswirkungen auf die Gesellschaft haben und zu Verzögerungen und Staus führen. Deshalb sehen wir auch dies als Teil unserer Vision an.“

Was können für die Lkw-Sicherheit in der Zukunft erwarten?
„Die Straßenverkehrssicherheit, insbesondere in Städten, erhält jetzt die Anerkennung, die sie verdient. Wir können mit mehr Aktivsicherheitstechnologie rechnen, die Lkw-Fahrer unterstützt, einer sichereren Straßeninfrastruktur und einer sichereren Umgebung in Städten – in Europa, aber auch in anderen Ländern – was sowohl den Insassen und auch gefährdeten Verkehrsteilnehmern zugutekommt.“ 

DIE ÜBERARBEITETE ALLGEMEINE SICHERHEITSVERORDNUNG DER EU

• Die GSR schlägt neue obligatorische Aktivsicherheitsfunktionen in europäischen Fahrzeugen vor, um Insassen, Fußgänger und Radfahrer zu schützen und die Folgen menschlicher Fehler abzuschwächen, aus denen 90 % der Unfälle auf europäischen Straßen resultieren.

• Der überarbeitete Vorschlag erkennt an dass eine verbesserte aktive Sicherheit ein erhebliches Potenzial dazu bietet, menschliche Fehler zu kompensieren, und will den Weg für mehr automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit ebnen.

• Das EU-Parlament, der Rat und die Kommission haben eine Einigung erzielt. Jetzt müssen die technischen Anforderungen genau definiert werden.