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Eine übergroße Ladung wie keine andere: der Transport einer nordschwedischen Stadt per Lkw

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Als Bergbauarbeiten das Fundament der Stadt Kiruna in Nordschweden bedrohten, wurde eine drastische Entscheidung getroffen: die gesamte Stadt zu verlegen. Sonderspediteur Mikael Wallner hat mit seinem Volvo FH im Laufe der Jahre viele Ladungen in Übergröße transportiert, aber nicht ganze Gebäude.
Ein Volvo FH Lkw transportiert umgeben von Nebel ein Gebäude in der nordschwedischen Stadt Kiruna

Wir transportieren nicht jeden Tag etwas so Wertvolles!“, ruft Mikael Wallner, als er seinen Volvo FH so langsam wie möglich vorwärtsbewegt. Durch den Herbstnebel kann man auf dem Anhänger eine sehr ungewöhnliche Ladung ausmachen. Ein Teil eines 120 Jahre alten Gebäudes, das als lokales Museum dient, wird an eine fünf Kilometer entfernte Stelle in der schnell wachsenden „neuen“ Stadt Kiruna transportiert. 

Rund 20.000 Menschen leben in dieser stimmungsvollen Umgebung tief im Norden Lapplands, wo 1900 die weltweit größte Eisenerzmine gegründet wurde. Seit über einem Jahrhundert legen die Bergleute so tiefe Stollen an, dass die Stadt inzwischen buchstäblich untergraben ist. Das als Verformung bekannte Absacken des Bodens hat die Struktur von Gebäuden geschwächt und riesige Risse im Erdreich verursacht, die jedes Jahr breiter werden und der Stadt um mehrere Meter näher kommen.

Man befürchtete, dass im Laufe des nächsten Jahrhunderts ein Großteil von Kiruna zusammenbrechen und im Erdboden verschwinden würde, wenn jetzt kein Umzug durchgeführt würde.

Diese Befürchtung bewog die Luossavaara-Kiirunavaara AB (LKAB), das staatliche schwedische Unternehmen, das die Mine betreibt, zu der folgenschweren Entscheidung, die betroffenen Stadtteile samt und sonders rund vier Kilometer nach Osten zu verlegen.

Während die Mehrzahl der Gebäude abgerissen und am neuen Standort wieder aufgebaut werden, müssen viele historische und kulturell bedeutende Bauwerke umziehen – vorsichtig und behutsam mit Lkw, Anhängern und leistungsstarken Traktoren sowie mit Geräten für präzises Heben und Absetzen.

Das besonders bedeutsame Objekt, das an diesem Tag sicher an seinen neuen Standort gebracht wird, ist Hjalmar Lundbohmsgården, ein denkmalgeschütztes Gebäude, das heute als lokales Museum dient. Hjalmar Lundbohm war der erste Geschäftsführer der LKAB in Kiruna und trug maßgeblich zur Gestaltung der Stadt bei.

Wir werden Hjalmar Lundbohmsgården auf drei Transporte aufteilen, da das Haus zu groß ist, um es komplett zu bewegen.

„Insgesamt werden wir acht bis zehn Häuser umsetzen“, erklärt Mikael Wallner. „Einige wie dieses hier müssen in Teilen bewegt werden. Wir werden Hjalmar Lundbohmsgården auf drei Transporte aufteilen, da das Gebäude zu groß ist, um es komplett zu bewegen. Wir werden es rund vier Kilometer weit transportieren, eine Strecke, für die wir ungefähr einen halben Tag brauchen werden.“

Da die historischen Gebäude alle zwischen 120 und 330 Tonnen wiegen, müssen alle Gewichte auf den Lkw genau berechnet werden, damit das Gleichgewicht gewahrt bleibt. Abgesehen von den physischen Herausforderungen liegt das logistische Hauptproblem beim Umsetzen von Gebäuden in der Einhaltung des Zeitplans, damit der Verkehr auf öffentlichen Straßen nicht verzögert wird. Die Strecken, auf denen die Bauwerke transportiert werden, müssen abgesperrt und streng kontrolliert werden. 

 

Abbildung: Querschnitt durch die Mine, der zeigt, wie sie die Stadt Kiruna untergräbt

Mikael Wallner erklärt, dass die Straßen gut auf den großen Umzug gut vorbereitet wurden. Die Baufirma PEAB, die die Gesamtverantwortung für dieses Projekt trägt, hat Spezialwege zu und von den Gebäuden gebaut, da viele von ihnen abgelegen waren und keine Straßenzufahrt bis ans Haus hatten. „Außerdem mussten Masten, Bushaltestellen und andere Hindernisse versetzt werden, um unsere Route freizumachen“, berichtet Mikael und fügt hinzu: „Darüber hinaus musste eine Genehmigung von der Gemeinde Kiruna eingeholt werden, um die Tragfähigkeit von Brücken und Kanälen sicherzustellen.“

Bei einem Schwerlastprojekt wie diesem ist man natürlich auf die enge Teamarbeit mehrerer Parteien angewiesen. Zuerst legt PEAB die Fundamente frei, dann hebt der Subunternehmer Veolia die Bauwerke mit Hydraulikwinden auf Balken. Das Schwierigste ist laut Mikael Wallner das Heben der Gebäude. „Veolia hebt die Gebäude vom Boden ab und packt sie mit Hilfe von Radladern und Baggern von Volvo auf Paletten. Dann laden mein Kollege Lars Alm und ich die Häuser von den Balken auf den Lkw. Wie bei allem anderen gilt auch hier: Je mehr du dich vorbereitest, desto besser. Vorbereitung ist ganz entscheidend.“

 

Vorderansicht des Volvo FH, der umgeben von Nebel das Museum von Kiruna transportiert

Da Mikael Wallner 40 seiner 60 Jahre auf Achse verbracht hat, kann man ohne Übertreibung sagen, dass er ein enorm erfahrener Fahrer ist. Er stammt aus einer Familie von Landwirten, und sowohl sein Großvater als auch sein Vater besaßen ein Fuhrunternehmen. Als Mikael seine Firma gründete, entschied er sich für einen anderen Sektor als den seiner Familie und legte seinen Fokus auf Spezialtransporte – daher der Auftrag in Kiruna. „Der Job ist jeden Tag anders. Ich mag es, wenn es Herausforderungen gibt – dann wird es nämlich interessant!“

Wenn Mikael vor Ort im Einsatz ist, arbeitet er normalerweise mit seinem Kollegen Jan zusammen. Die beiden sind seit rund 30 Jahren Teil desselben Teams und vertrauen einander bei der gesamten Logistik bedingungslos. 

„Ich fühle mich sicher, wenn ich mit Jan arbeite. Es ist wichtig, ruhig zu bleiben und die Dinge gelassen anzugehen. Die schwierigste unserer Aufgaben hat derjenige, der nebenher geht und den Anhänger beaufsichtigt – um Steigung, Lenkung und Niveau im Auge zu behalten. Derjenige, der auf den Anhänger aufpasst, hat eine größere Verantwortung als der Fahrer.“

Hjalmar Lundbohmsgården ist in Bewegung. Mikael kriecht so langsam wie möglich vorwärts, während das 30 Meter lange Gebäudeteil sicher auf dem Anhänger seines Volvo FH sitzt. Jan Alm steht an der Seite des Lkw und sorgt dafür, dass der Anhänger Richtung und Gleichgewicht beibehält. Die Mitarbeiter von PEAB und Veolia bilden eine Ehrengarde für das Gebäude und stellen sicher, dass der Weg vor dem Fahrzeug frei bleibt.

Der fünf Kilometer lange Umzug führt über die Ausfahrt Bromsgatan der Stadt, bevor der Lkw langsam und vorsichtig eine abgesperrte Hauptstraße, die E10, entlangfährt. Das endgültige Ziel erreicht er über eine kleine einspurige Straße am Erzberg Luossavaara. Es gibt mehrere interessierte Zuschauer, als das historische Gebäude sicher an der Stelle abgesenkt wird, wo es in Kürze als wohlbehaltenes lokales Museum wiedereröffnet werden wird. 

Unterdessen erinnert sich Mikael Wallner, dass er schon zahlreiche große Objekte bewegt hat, die schwer zu transportieren sind, darunter Flugzeuge und Boote. Die einzigen Dinge, die er und Jan noch auf ihrer Wunschliste haben, sind U-Boote und Hubschrauber. „Aber wenigstens haben wir jetzt am Umzug einer Stadt mitgewirkt!“, sagt er.

Seitenansicht des Museums von Kiruna beim Transport, mit Windmühlen im Hintergrund


Das Minen- und Umzugsprojekt
Die Luossavaara-Kiirunavaara AB (LKAB) produziert rund 80 Prozent des Eisenerzes für die EU. Sie beschäftigt rund 4.000 Arbeitnehmer und befindet sich zu 100 Prozent in schwedischem Staatsbesitz. Die LKAB will eine „grüne Pufferzone“ zwischen dem Bergwerk und den am ursprünglichen Standort in Kiruna verbleibenden Gebäuden schaffen. Sie hat sich einen reibungslosen Übergang zum Ziel gesetzt, bei dem der Dialog mit der Gemeinde offen und kontinuierlich stattfindet und den Betroffenen wurde zudem eine finanzielle Entschädigung geboten. Bislang wurden rund 650 Millionen Euro an die Gemeinde und die Immobilieneigentümer ausgezahlt. Eine weitere Milliarde Euro ist für das laufende Projekt reserviert.

M Wallners Spezialtransporter AB
Gegründet: 2001
Inhaber: Mikael Wallner
Anzahl der Angestellten: 10, darunter 3 ausgebildete Straßentransportführer.
Anzahl der Lkw: 8, darunter 4 Volvo Lkw.
Volvo Lkw-Modelle: 3 Volvo FH16, 1 Volvo FH12.
Bedeutende Kunden: Nordschakt, NCC und Skanska.
Frachtgut: Alle Arten von Sondertransporten.